21.10.2020 21:17

Umwelt & Lebensqualität

Die Gemeinde als Baumeister

Für 2 Bauprojekte der Gemeinde sollen in der kommenden Gemeinderatssitzung Grundsatzbeschlüsse gefasst werden: K2 (das Nachfolgeprojekt von "way2smart") und die ehemalige bäuerliche Fachschule.
Aber wird sich die Stadtgemeinde bei diesen Projekten auch an ihre bereits beschlossenen ökologischen Grundsätze halten?

Energieautonomie 2036

Dass Korneuburg 2036 energieautonom sein will, findet sich im Energiekonzept, im Masterplan und auch im 2019 beschlossenen Klimamanifest. Dass gemeindeeigene Neubauten dem entsprechend energieautonom errichtet werden müssen, wäre eigentlich nur logisch - wie sonst will man dieses Ziel erreichen?
Ebenso gibt es einen alten Gemeinderatsbeschluss, nach dem die Stadtgemeinde kein PVC mehr verwenden sollte (weil PVC allgemein nicht nachhaltig und speziell im Fall eines Brandes echt giftig ist) - dieser Grundsatzbeschluss wird ständig ignoriert.
Logisch wäre, dass diese Grundsatzbeschlüsse bei jedem Bauprojekt berücksichtigt werden - und man nur mit guter Begründung davon abweichen kann.
Üblich ist leider das Gegenteil.


wie smart wird K2?

Das Projekt way2smart sollte ein Vorzeigeprojekt werden - in dem Maßnahmen aus dem Masterplan erstmals auch umgesetzt werden.
Nach 5jähriger Planung hat die ÖVP die Vergabe way2smart Ende 2019 abgedreht.
In der Neuausschreibung (K2) kommt das Wort Energieautonomie nicht vor - wo und wann die Diskussion über Qualitäten und Finanzierungsgrundsätze besprochen werden, ist immer noch offen.

Jetzt probieren wir's wieder mal mit einer schriftlichen Anfrage und einem Antrag. Wir wollen für K2 festschreiben, was an sich selbstverständlich sein sollte:
* energieautonom - die Energie, die im Gebäude verbraucht wird, sollte durch PV-Anlagen am Dach erneuerbar produziert werden.
* leistbarer Wohnraum: kompakte Wohnungen (und nutzbarer Gemeinschaftsraum) zum Richtwertmietzins + niedrige Energiekosten (durch Wärmepumpe und PV) = leistbare Warmmieten
* leistbar für die Gemeinde durch die Festlegung, dass die Investitionen in 35 Jahren durch die Mieteinnahmen zu decken sind.

billig kann teuer werden!

Z.B. Elektroradiatoren sind in der Anschaffung unschlagbar billig - trotzdem sind Elektroheizungen out, weil die laufenden Kosten immens hoch sind. Beim Fernwärmeanschluss ist es ähnlich.
Die Anschaffung einer Wärmepumpe (in Kombination mit PV) kostet im Vergleich um ein vielfaches mehr, rechnet sich aber im Betrieb durch niedrige Energiekosten.

Die Investitionskosten werden durch die (fixen) Mieten zurückgezahlt - die Energiekosten fallen zusätzlich an.
Für die MieterInnen bedeutet das: Billig gebaut heißt teuer im Betrieb.

Bestpreis bei nur einem Angebot?

Das Projekt K2 wurde als "wettbewerblicher Dialog" im 3stufigen Verfahren an Totalunternehmer ausgeschrieben. Von den 4 BewerberInnen wurden 3 im "Zulassungsverfahren" ausgeschieden.
Das Dilemma: Wie kommt aus den Verhandlungen mit nur einem Anbieter ein Bestpreis zustande? Und wer bewertet das?

Dilemma zum Quadrat: die ehemalige bäuerliche Fachschule

Das Ausschreibungsdilemma wird sich voraussichtlich bei der ehemaligen bäuerlichen Fachschule wiederholen.
Und auch bei diesem Projekt sind die Ziele hinsichtlich energetischer Qualitäten, Re-Finanzierung und Leistbarkeit nicht festgeschrieben - zusätzlich ist noch nicht einmal die letztlich angestrebte Nutzung ganz klar.

Kompetenz in Politik und Verwaltung!

Wir wünschen uns, dass Korneuburg in Politik und Verwaltung Kompetenz für Bauprojekte aufbaut:

* durch personelle Aufstockung im Bauamt (zusätzliche MitarbeiterIn mit Erfahrung in Projektabwicklung und nachhaltiger Bauweise)
* durch Diskussion in einem politischen Gremium, in dem Zeit & Beteiligungswille für sachliche Diskussionen vorhanden ist (z.B. Stadtplanungsausschuss)

Solange Bauprojekte so weit wie möglich ausgelagert werden, solange werden Generalunternehmer sich diese Kompetenzen und ihr Risiko gut bezahlen lassen - überhaupt dann, wenn's kein Gegenangebot gibt.

Nachtrag aus dem Gemeinderat

Die Zustimmung zu unseren Anträgen zum Projekt K2 (1 Enthaltung des Finanzstadtrates) und zum Baurechtsvertrag für die "ehemalige bäuerliche Fachschule" (einstimmig) war für uns ein wichtiges postives Signal dafür, dass wir doch in Bälde auch über die Ziele reden, die wir mit den Gemeinde-Bauprojekten anstreben.

Antrag zur ehem. bäuerlichen Fachschule: 734_Baurechtsvertrag_ehem_bäuerliche__Antrag_Grüne201020.pdf(400) (unter Streichung des Absatzes bezüglich Widmung einstimmig angenommen)

Antrag und Anfrage zum Projekt K2: 734_Grundsatzbeschluss_K2_Antrag_und_Anfrage201020.pdf(426) (mit Einfügung des Wortes "mindestens" vor 35 Jahre Refinanzierung mit einer Enthaltung (Finanzstadtrat) angenommen. Die schriftliche Anfragebeantwortung wurde uns zugesagt und ebenso eine baldige Besprechung der Qualitäten